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Die Hennebergvilla früher und heute

Waldorfpädagogik in der Hennebergvilla
Am 23. April 1904 war es, vor hundert Jahren, als im Weimarer Park das Shakespeare-Denkmal eingeweiht wurde, das erste Shakespeare-Denkmal außerhalb Englands. Professor Otto Lessing hatte es geschaffen. Der Auftraggeber war die Deutsche Shakespeare-Gesellschaft, damals genau 40 Jahre alt.
Die Weimarer kennen die steinerne Figur. Sie wendet sich sinnend zur Seite: Ob sie darauf wartet, dass ihr Titania erscheint? Oder denkt sie noch über den Baulärm nach? Denkbar wäre es: Wenige Wochen nach ihrer „Geburt“ begann am Ende der Marienstraße rege Tätigkeit: Das alte Gebäude der Großherzoglichen Kunstschule, eigentlich eher eine umgebaute Scheune, wurde abgerissen und an ihrer Stelle der erste Teil des Gebäudes erbaut, das wir heute dort sehen, zur Bauhausuniversität gehörend.
Jetzt vor hundert Jahren, im Spätsommer, muss das Gebäude, aus heutiger Sicht erst nur der östliche Teil, ziemlich fertig gewesen sein. Im Oktober 1904 konnten die Studenten das Gebäude nach nur dreimonatiger Bauzeit beziehen. Es feiert also dieses Jahr in seinem östlichen Teil wie das Denkmal seinen hundertsten Geburtstag.
Der Architekt war der Belgier van de Velde.

Van de Velde in Weimar
Henry van de Velde kam 1902 nach Weimar als künstlerischer Berater des Großherzogs. Schon im April 1902 richtete er das Kunstgewerbliche Seminar ein. Ende 1903 wurde der Deutsche Künstlerbund gegründet, dem neben van de Velde auch Max Klinger und Max Liebermann angehörten. Der modernen Kunst wollte man Aufschwung verleihen; Weimar wurde nach Liszt wieder ein kulturelles Zentrum. „Man“ traf sich im „Russischen Hof“.
Van de Velde entwickelte sich in dieser Zeit zum Hauptvertreter des Jugendstils. Er baute in Weimar nach der „Kunstschule“ weitere Gebäude, so die der Kunstschule schräg gegenüber liegende Kunstgewerbeschule, in der er sein Atelier hatte.
Auch einige Wohnhäuser entstanden, so 1907/08 das Haus „Hohe Pappeln“ (Belvederer Allee), das von ihm selbst bezogen wird.

Die Hennebergvilla
Das letzte Gebäude in Weimar ist eine Villa für den Freiherrn von Henneberg. Es wird 1913/14 am Anfang der Gutenbergstraße errichtet. Das Grundstück lag an einem Hang und hatte eine spitz zulaufende Form: eine Herausforderung. Dieter Dolgner schreibt in einem Büchlein über van de Veldes Weimarer Wirken: „Die Straßenfassade (der Hennebergvilla) ist von außergewöhnlicher Schönheit, es handelt sich wohl um die qualitätvollste Arbeit van de Veldes überhaupt.“
Dass heutzutage jeder diesen Ausspruch am Original überprüfen kann, hat seine Ursache darin, dass viel Geld eingesetzt worden ist und viele, viele Arbeitseinsätze stattfanden. Nach verschiedenen Besitzerwechseln war das Gebäude zu DDR-Zeiten Internat und stand dann lange leer. In dieser Zeit ist es komplett ausgeräumt worden: Alles, was brauchbar war, ist verschwunden, sogar Teile des Parketts wurden herausgerissen.
Der Verein, der das Gebäude kaufte und sich mit Unterstützung der Denkmalpflege des Gebäudes annahm, ist der Verein des Weimarer Waldorfkindergartens gewesen. Knapp vor der Währungsunion konnte das Haus 1990 erworben werden. Beim Sanieren stellte sich das ganze Ausmaß der Schäden natürlich erst dar.
Die Eltern des Vereins und die zukünftigen Kindergärtnerinnen ließen sich aber nicht entmutigen. Die Denkmalpflege unterstützte, viele Helfer kamen auch von außerhalb dazu und so konnte das Haus im Februar 1993 wieder bezogen werden.

Die Küche
Wie sieht es heute dort aus?
Das Haus steht am Hang, man tritt von der Straße aus eigentlich in das Souterrain. Wenn man den linken Eingang, den Dienstboteneingang benutzt, kommt man wie damals zur Küche. Hier wird das Essen bereitet für die Kinderschar, Vollwertkost, wenn es geht mit biologisch-dynamisch hergestellten Lebensmitteln. Freiherr von Henneberg hätte das damals auch schon haben können, wenn er Kontakt zu Gräfin Margarete zu Dohna gehabt hätte: Diese betrieb „Am Horn“ biologisch-dynamischen Gartenbau, wahrscheinlich bis in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts.

Die Halle
Geht man rechts den herrschaftlichen Eingang hinein, kommt man in das sandfarbene achteckige Treppenhaus und steigt in eine kleine Garderobe hinauf. Sie öffnet sich zu einer großen Diele, damals „die Halle“ genannt, die über eine Glastür in den Garten überleitet.

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